Copyright Rolf Robischon 2007
Schreib- und Lese-Anfang
und
Mathematik-Anfang
selbstständig lernen von Anfang an


 
2.Schultag

14.Schultag

Kinder lernen nicht in kleinen Schrittchen, nicht der Reihe nach,
nicht gleichzeitig und schon gar nicht das Gleiche.(Robischon)

Schreibanfänger bekommen von mir Lern- und Arbeitsblätter, 
die ihnen nicht erklärt werden müssen. Es gibt keine Arbeitsanleitungen dazu.
Die Kinder wissen, was da steht 
(die deutlichen Zeichnungen machen das Geschriebene "durchsichtig"),
sprechen miteinander darüber und schreiben selbstverständlich
diese Wörter. Sie lernen sie nicht "auswendig", sondern verwenden sie 
nach wenigen Tagen als Material zu eigenen Wörtern und Mitteilungen.
Ihrem Lesen hört man in der Regel nach einiger Zeit deutlich an, 
dass ihnen nicht Buchstaben mit Zusammenziehen "beigebracht" wurden.
Wenn sie lesen, fädeln sie die Buchstaben nicht der Reihe nach auf, 
fahren mit den Augen auf dem Wort oder Satz hin und her, stellen den Zusammenhang her und verstehen, was sie da sehen. 
    Lernverläufe:
       Wenn ein Kind lernt, nimmt es Zusammenhänge wahr und stellt Beziehungen her.
       Zusammenhänge sind unterschiedlich zu erkennen(wie durch ein weites oder ein enges
       Fenster, durch trübes, farbiges oder ziemlich klares Glas) und für andere werden
       Erklärungen erfunden (weil der Lehrer mich nicht mag, verstehe ich Mathematik nicht)
       oder Mythen (Ein Pullover enthält Wärme).

      Beispiele zu Lernverläufen ?
      Aber gern.
      Hanna hat die Wörter  MAMA, POLIZEI, EIS kennen gelernt, wahrgenommen, 
      selber geschrieben.
             Sie hat Laute bestimmten Zeichen zugeordnet.
           Jetzt kann sie (am zweiten oder dritten Schultag)AIS schreiben.
      Und sie malt sich gern die Eistüte dazu und kann erzählen, welche Sorten sie
      besonders mag. Sie  hat die Funktion von Zeichen wahrgenommen und damit ihren 
      Einstieg in die Kommunikationsform Schrift erfunden.
      Weitere eigene Wörter aus den ersten Schulwochen: 
       AUTU, LERA, AI, MONT, SDAWOAS      (Starwars),
       DNO, ENTLAIN, AFEL, BOT, HEAPST, FLUKZOIK, LVVL, TLLA, VLLSCH, 
       FOGEL, FLIGE....
       und hunderte mehr. Je mehr ein Kind erfinden durfte, umso sicherer war es ein Jahr später 
       in der  Rechtschreibung.
       "Durfte" schreibe ich, weil es Eltern und Lehrkräfte gibt, die es nicht zulassen.

Kinder entwickeln oder erfinden die Schrift auf sehr ähnlichen Wegen, 
ob sie nun zu Anfang der ersten Klasse oder davor
oder erst im Laufe der zweiten Klasse oder später damit anfangen. 
Es gibt jede Menge Beispielwörter an denen das zu erkennen
und zu beweisen ist. Jedes Kind braucht seine eigene Zeit.
Der Versuch im Gleichschritt lernen zu lassen, stört solche Abläufe
17.10.2005    Ein neues Beispiel, das mir erzählt wurde:
Die Mutter telefoniert endlos. Die kleine Tochter, fünfeinhalb Jahre, schreibt auf einen Zettel: AFHN (aufhören).
Nachher findet sie den Zettel wieder und liest AFHN.
 Ich hab "Affen" geschrieben.

In den Mathematikstunden wurde der kleine Alfred umschwirrt von den vielen Zahlen.
Würfelbilder erkannte er einigermaßen. Eines Tages fing er an, für sich die erreichbaren
Zahlen zu ordnen und fragte den Lehrer: "Welche Zahl kommt jetzt?(nach der 8)"
Er hatte verstanden, was mit dem Wort "Zahl" gemeint ist.
Er kannte keine Wörter für Farben und es wurde überlegt, ob er farbenblind sein
könnte,bis er eines Tages fragte (bei einem Lern-und Arbeitsblatt zur Mathematik):
"Wo kommt  Sonne hin?"
In Deutsch wollte er das Wort "TAXI" lesen und sagte: Da ruft man an und dann 
kommt es und holt einen ab.

zum Anfang

 Farbwörter in ihrer Farbe 
und Zahlen schreibe ich an die Tafel, jeden Tag.
Kurze Wörter zu denen es Bilder gibt, sind leichter wahrzunehmen und dann auch leichter
selber zu erfinden: PLOME, SONE, KINT,.....Die Wörter sollen falsch geschrieben sein? Sind sie nicht.
Natürlich entsprechen sie nicht der vorgeschriebenen Rechtschreibung, aber die können
Schulanfangs-Kinder ja noch nicht  kennen.Wenn  sie selbstständig mit der Schriftexperimentieren dürfen, sie selber  erfinden dürfen, dann fangen sie auch an, Geschriebenes von anderen wahrzunehmen, es zu vergleichen 
und schließlich können sie ihre eigene Schreibweise"passend" machen.
Etwas später schrieb Thea SONNE, PLUME...
Für das komplizierte SCH hatte sie  erfunden  HCI und schrieb HEROBHCION und HCIETALIK (Schmetterling,     wie jeder sehen kann,wenn das Bild dabei ist). 
Eine Woche später war die Entwicklung weiter, weil nicht eingegriffen wurde und weil sie selber suchen durfte.
Das Kind war bei mir nur in Mathematikstunden. 
Sie schrieb mir Briefe und wollte die Schreibschrift gezeigt bekommen. 

"Üben" ist nicht Löcher stopfen, sondern Erfolg wiederholen.


Leseleistung testen?
Ich denke eher an „Sicherheit und Selbstverständlichkeit“ im Umgang mit Schrift 
als an „laut und verständlich vorlesen können“.
Wenn Erstklässler ohne Zögern von der Tafel lesen können: Wxr kxnn dxs lxsxn? 
Xch hxb Bxchstxbxn wxg gxlxssxn.
Oder wenn Kinder wissen was gemeint ist mit: Wir suchen einen Zwerghasen. 
Er soll wieder Mucki heißen.
Dann gehen sie mit Schrift um. Leseleistung ist sicher nicht, Lesegeräusche nach
einem Text aus einem Buch möglichst schnell und ohne Versprechen von sich 
geben zu können.
Das Kind sagt zu Hause: Ich war heute beim Lesen dran. 
Die Mutter fragt: Was hast du denn gelesen?
Ich weiß nicht, aber ich hab eine zwei bekommen.
Oder das Kind sagt: Ich war heute „gut in Lesen“.
Schrift ist eine Kommunikationsform, 
nicht eine Kulturtechnik (wie Klospülung).
 


Geschriebenes, Ordnungssysteme, Verhaltensweisen von Menschen 
passen zueinander, wenn sie sie selbstständig entwickeln dürfen.
Kinder, die frei herum laufen, stoßen nicht zusammen.
Kinder die selber ihr Gleichgewicht finden dürfen, fallen nicht. 
Kinder die sich sicher fühlen, gehen auf Entdeckung und Erfindung aus 
und können der Lehrkraft mitteilen,was sie gefunden oder erfunden haben.

Auf einen gewünschten Verlauf  einzuengen, nimmt Möglichkeiten.
Kinder können nur auf ihren eigenen Lernwegen wirklich erfolgreich sein.

Hier wird immer weiter gearbeitet